Der Respekt vor jedem Leben!!

Da das Thema Zucht hier ja immer wieder erwähnt wird - hier dazu ein Artikel von Monika Giese: Zucht, Züchter und Tierschützer

Sobald Menschen sich für etwas einsetzen, scheint es, als bräuchten sie dringend auch ein Feindbild!
Für Tierschützer ist das – allem Anschein nach – der Züchter!
Wie bei allen Vorurteilen ist es auch hier:
Unkenntnis der wahren Zusammenhänge, Ausnahmen werden zur Regel erklärt und – DAS vor allem Anderen – es wird nicht zu Ende gedacht (falls überhaupt gedacht wird!).

Aber – bitte schön – gäbe es irgendeine Haus- oder Nutztierrasse OHNE ZÜCHTER??
Was ist nun Zucht??
Wie sind all die vielen unterschiedlichen Nutz- und Haustierrassen
entstanden?

Sie sind entstanden, weil der Mensch eine ganz bestimmte Leistung eines Wildtieres für seine
Zwecke optimieren und Unerwünschtes ausmerzen wollte.
Für ihr Leben in der Wildnis waren alle diese Tiere optimal ausgerüstet:
Die Raubtiere für ihre Aufgabe, sich die Nahrung erjagen zu müssen – die Fluchttiere, denen zwar die Nahrung praktisch ins Maul wuchs, die jedoch ständig wachsam sein mussten, um nicht zur Nahrung eines Räubers zu werden.
Es ist sicher, dass Hunde (Wölfe) die ersten domestizierten Tiere bei den Menschen wurden.
Sie wurden zu den ersten Helfern bei der Jagd – lange bevor Menschen sesshaft wurden und
dann auch begannen, Nutztiere (Schafe, Ziegen, Rinder, Schweine – usw.) zu domestizieren und zu züchten.
Zucht bedeutet also immer eine Auslese der erwünschten und Ausmerzung der unerwünschten Eigenschaften.
Es war und ist – genau genommen – Genmanipulation – und das auch schon lange bevor Menschen die DNS entschlüsselt hatten.
Obwohl sich, wie bei Allem, was Menschen tun, natürlich auch immer wieder die Frage stellt, ob man alles tun darf (Qualzuchten), nur weil man es kann – aber – das ist ein anderes Thema.
Da mein besonderes Interesse den Windhunden gilt, möchte ich nun am Beispiel dieser
Hunderassen aufzeigen, was ein Züchter ist.
Windhunde wurden auf ihre Leistung bei der Jagd gezüchtet.
Je nach der Landschaft, in der man auf die Jagd ging, kam es entweder auf die höchstmögliche Geschwindigkeit (bei Gelände mit Buschgruppen und Unterholz
in dem das Wild sich verstecken konnte), oder auf eine grosse Ausdauer in
offenem Gelände an.
Zum Teil mussten die Hunde auch mutig genug sein, sich wehrhaftem Wild zu stellen – und –
ganz wichtig – sie mussten von den Befehlen des Menschen unabhängig sein und selbst die Taktik für ihre Jagd festlegen können.
Es wurden also ausschliesslich solche Tiere miteinander verpaart, die diese erwünschten Eigenschaften wenigstens ansatzweise zeigten und all jene von der Zucht ausgeschlossen, die nicht schnell waren, die das Wild nicht hetzten, die die Jagd vorzeitig beendeten oder nur zögernd die Hatz aufnahmen.
Sie mussten Klugheit, Taktik und Mut beweisen, um auf schnellstmöglichem Weg, das Wild zu erlegen.
Die Hetze beginnt erst in dem Augenblick, in dem der Hund entdeckt wurde und das Wild zu flüchten beginnt.
Wie bei allen anderen Hunderassen ging es auch beim Windhund ausschliesslich um die von Menschen erwünschte Leistung – das Aussehen interessierte niemanden. –
Und trotzdem sehen wir in den Darstellungen über die Jahrtausende ein erstaunlich homogenes Erscheinungsbild:
Die Auslese durch eine konsequente Leistungszucht hat das zustande gebracht.
Unsere Hunde sind also das Produkt einer Jahrtausende alten züchterischen Auslese.
Rassestandards (also u.a. auch eine Beschreibung des äusseren Erscheinungsbildes) entstanden für die meisten heutigen Rassen erst Ende des 19. Jahrhunderts.
Ein Züchter kennt also die Entstehungsgeschichte und Verwendung „seiner“ Rasse so gut wie irgend möglich.
Er muss die Linien kennen, in denen Hunde mit den erwünschten Eigenschaften möglichst ausgeprägt vorkommen und er muss konsequent alles vermeiden, was in seiner Rasse als „Fehler“ gilt.
Heutzutage haben fast alle Hunderassen ihre ursprüngliche Aufgabe verloren und trotzdem werden noch immer Hunde gezüchtet – auch solche, für die es – hier am Beispiel der Windhunde – keine „ursprüngliche“ (die Jagd!) Verwendung mehr gibt.
Sollten wir nun also aufhören, Windhunde zu züchten?? – Ich finde „NEIN“!
Erst wenn Haustier- und/oder Wildbestände vom Aussterben bedroht sind, besinnt sich der Mensch und versucht dann zu retten, was noch zu retten ist (Beispiel: Irish Woulfhound!)
Gerade auch mit dem Windhund haben wir ein derart altes Kulturgut der Menschheitsgeschichte vor uns, dass es zu respektieren gilt.
Ich finde, wir können nicht einfach alles „aussterben“ lassen, nur weil wir es im Augenblick nicht mehr brauchen.
Aus der Vielzahl an Rassen und Eigenschaften den bequemen, in jeder Hinsicht an unsere Umwelt angepassten „Einheitshund“ zu kreieren halte ich für reichlich kurzsichtig!.
Es gibt also viele gute Gründe, weshalb auch weiterhin gezüchtet werden sollte – aber auch sehr viele Gründe, die niemals dazu führen sollten, Tiere einfach nur zu vermehren!!
Dazu gehört auch die von Tierschützern seltsamerweise bevorzugte „Rasse“ – der Mischling! –
WAS aber sind Mischlinge??
Es sind Hunde verschiedener Rassen, die sich unkontrolliert untereinander verpaart haben. –
Ein Unding zu Zeiten, als es beim Hund ausschliesslich um die Leistung ging. –
Es sei denn, ein Züchter wollte gezielt die Eigenschaften einer anderen Rasse „einkreuzen“ – aber genau DAS gehört IMMER in die Hand verantwortungsvoller ZÜCHTER!
Auf unsere heutige Zeit bezogen, entstehen „Mischlinge“, weil die Hundebesitzer keine Lust
und/oder kein Interesse haben, darauf zu achten, mit WEM sich ihre Hunde verpaaren.
Oder es sind die „Blau-Äugigen“, die es einfach süss finden, wenn ihre Hündin einmal Babies
vom Nachbarhund bekommt – . Oder sie lassen sich – was unerklärlicherweise noch immer hin und wieder geschieht – vom Tierarzt einreden, es wäre besser für die Gesundheit der Hündin, wenn sie einmal einen Wurf hätte.
DAS stammt übrigens noch aus einer Zeit, bevor man den Erreger der Tollwut kannte – da
wurde behauptet, Hündinnen würden „tollwütig“, wenn sie nicht gedeckt werden (gelesen in einem Hundebuch von 1856!).
Und – hierher gehören nun auch die spanischen Windhunde, mit denen wir es jetzt so überreichlich im Tierschutz zu tun haben – gewissenlose, unkontrollierte Vermehrung
von „Jagdgebrauchshunden“ (meist Kreuzungen aus Galgo espanol und Renn-Greyhound!).
Das allerschlimmste, was einem Rassehund jedoch geschehen kann, ist, wenn er zum Modehund wird!
KEIN wirklicher ZÜCHTER wird, kann und darf sich einem solchen TREND anschliessen – DA sind dann aussschliesslich VERMEHRER am Werk!!
Die haben weder Kenntnisse über die Geschichte, noch die ursprüngliche Verwendung „ihrer“ Rasse – deren einziges Interesse besteht darin, den „Markt“ zu befriedigen – also möglichst schnell, möglichst viele Exemplare der „Moderasse“ zu produzieren und zu kassieren!!
Und – es sind die „Produkte“ solcher Vermehrer, die dann in den Tierheimen landen!
Also – bitte liebe Tierschützer – werft solche schamlosen Vermehrer nicht in einen Topf mit verantwortungsvollen Züchtern, die sich ganz ihrer Rasse verschrieben haben
und sehr sorgfältig darauf achten, nur die bestmöglichen Vertreter dieser Rassen miteinander zu verpaaren.
Das heisst – für mich – allerdings auch, dass beileibe nicht jeder, der sich Züchter nennt, auch ein Züchter ist!
Hier möchte ich nun einmal einige der Aufgaben eines verantwortungsvollen Züchters beschreiben:
Seine Hündin sollte den Anforderungen des Standards im äusseren Erscheinungsbild, sowie den Kriterien für das Wesen und den für die Rasse erforderlichen Leistungen entsprechen – und das auch bei Leistungstests und auf Ausstellungen nachgewiesen haben.
Nun soll ein passender Rüde gefunden werden, der die o.g. Kriterien ebenfalls erfüllt und der auch genetisch (Zuchtlinie) zu der Hündin passt.
Beide Hunde müssen angekört werden – d.h. sie bekommen die Zuchtzulassung, wenn sie die Kriterien für ihre Rasse erfüllen.
Dann sind die Welpen da.
Die Sozialisierung untereinander können Welpen idealerweise im Rudel erfahren, während sie lernen, sich ins Rudel der erwachsenen Hunde zu integrieren.
Der Mensch ist nun dafür verantwortlich, dass seine Welpen mit all dem konfrontiert werden, was sie ein Hundeleben lang beim Menschen erleben werden.
Sie sollten also viele verschiedene Menschen kennen lernen, sich ohne Scheu anfassen lassen
(wobei immer sorgfältig darauf geachtet werden muss, dass dabei keine negativen Erfahrungen gemacht werden können!).
Ob Radio, Fernseher, Staubsauger, Spiegel – alles, was so einen kleinen Kerl erschrecken könnte, sollte er schon beim Züchter kennen gelernt haben.
Erste Autofahrten, die nicht beim Tierarzt enden sollten, sondern mit einem positiven Erlebnis verknüpft werden (herumtoben in fremdem Gelände!) – Spaziergang in der Stadt (also Halsband und Leine!) mit all den fremden Geräuschen, Gerüchen und Menschen – ein wirklicher Züchter hat viel zu tun in der Zeit, bis seine Welpen das Haus verlassen und sich ihren neuen Besitzern anschliessen können.
Es ist viel Arbeit – aber auch ungeheuer beglückend, mitzuerleben, wie aus einer Handvoll Welpe ein lebenstüchter, wesensfester und gut sozialisierter Hausgenosse wird.
Die Trennung bedeutet immer Schmerz und deshalb wird Ihnen kein verantwortungsvoller Züchter einen Welpen beim ersten Besuch mitgeben.
Sie werden darauf gefasst sein müssen, dass Ihnen Löcher in den Bauch gefragt werden – das geschieht nicht aus Neugier, sondern in dem Bestreben, festzustellen, ob Sie überhaupt einen Hund halten können – ob es wirklich diese Rasse ist, die zu Ihnen passt und auch ob der Welpe, auf den Sie ein Auge geworfen haben, der Richtige für Sie ist. – Da gibt es viel zu bedenken und zu besprechen.
Der wirkliche Züchter hat viel Geld, Arbeit und Idealismus in jeden einzelnen Welpen gesteckt und möchte sichergehen, dass seine Welpen bei den richtigen, passenden Menschen landen.
Fazit:
Züchter haben genaue Kenntnisse ihrer Rassen – sie kennen alle Linien, die für sie zur Zucht zur Verfügung stehen – sie haben genau im Auge, welche Eigenschaften sie erzielen und welche Eigenschaften sie keineswegs dulden wollen. Kenntnisse in Genetik und Vererbungslehre (das ist nur eine kleine Auswahl dessen, was einen ZÜCHTER ausmachen sollte!). Und – Züchter gehen auch sehr sorgsam (oftmals zum Ärger der Aspiranten!) bei der Auslese der zukünftigen Welpenbesitzer vor!
Vermehrer haben nur EINS im Sinn: GELD!

Noch eine Bitte an alle „Rassehund-Liebhaber“:
Sehen Sie genau hin – kaufen Sie Welpen NUR beim (möglichst!) VDH-(FCI)Züchter.
Schwarze Schafe (DAS sind IMMER Menschen!) gibt es überall – also sollten Sie sich auch schon sorgfältig über die gewünschte Rasse informiert und entschieden haben, ob diese Rasse auch wirklich zu Ihnen passt!
Und – so schwer es manchmal auch fallen mag: Kaufen Sie nie einen Hund aus Mitleid – (aus Kofferräumen an Landesgrenzen, auf Märkten in Südeuropa), DAS ist auch eine Masche dieser Vermehrer und bestätigt sie in ihrem verbrecherischen Tun!
Melden Sie solche Vorkommnisse den örtlichen Tierschützern – spenden Sie Geld, damit deren aufopferungsvolle Arbeit weitergehen kann!
Also – liebe Tierschützer – auch zu Zeiten, als ich noch ein Züchter war, empfand ich mich ganz selbstverständlich als „Tierschützer“ und habe erst im Kontakt zu diesen lernen müssen, dass ich zu einer verhassten Spezies gehörte!!
Hunde, die im Tierschutz landen, stammen nur in den allerseltensten Fällen von einem „Züchter“, sondern, falls sie wie „Rassehunde“ aussehen, von „Vermehrern“ – oder es sind, wie das meistens der Fall ist, Mischlinge!!
Sollen Züchter es deshalb aufgeben, Rassehunde zu züchten, weil so viele Mischlinge die Tierheime bevölkern???
Was für eine seltsame Logik ist DAS denn??? –
Und – so ganz nebenbei bemerkt – würde es vielen Tierschützern (und den zu vermittelnden Tieren!) sicher nicht schaden, wenn sie sich genauere Kenntnisse über die jeweiligen Rassen, die in ihren Mischlingen stecken, aneignen würden (z.B. bei Züchtern, Rassehundekennern, Verbänden, usw.!).
Sollte man diesen „Krieg“ nicht endlich beenden um vorurteilsfrei miteinander umgehen zu können, damit unsere ganze Kraft frei wird und das Eine, was so vielen Menschen am Herzen liegt, endlich vorwärts kommt:

Der Respekt vor jedem Leben!!

copyright © 2012 by Monika Giese

 


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