Tobi - Golden Retriever - Das Leben mit einem Vermehrerhund


Es fällt mir heute noch sehr schwer darüber zu schreiben und mir werden auch diesmal wieder die Tränen in den Augen stehen, aber ich möchte andere Menschen und vor allem die armen Händlerhunde davor schützen, dass sie weiterhin gekauft werden und der Markt so nie ein Ende nimmt.

Verliebt in die Rasse Golden Retriever habe ich mich im Jahr 1992. Mir begegnete ein Goldie auf meiner damaligen Arbeitsstelle und ich war hin und weg. Ich schwärmte zu Hause und bald stand es für uns fest, das wir uns auch so einen Hund kaufen möchten.

Damals hatte man zwar schon mal etwas von unseriösen Händlern gehört aber es war noch nicht so sehr verbreitet. Internet hatten wir damals noch nicht und so blieben uns nur Zeitungen. Vom VDH, FCI usw. hatten wir zu dem Zeitpunkt noch nie etwas gehört.

1993. Wir fanden eine Anzeige in der Zeitung und riefen dort an um zu fragen wann wir vorbei kommen könnten um uns die Hunde anzuschauen. Einen Tag später fuhren wir dann dort hin. Als wir ankamen fragten wir dann nach den Golden Retriever Welpen und bekamen die Antwort das noch keine da wären, die kommen erst am Samstag. Uns gefiel es dort überhaupt nicht und dass keine Welpen da waren machte uns stutzig. Wir fuhren wieder und wir waren uns einig, dort keinen Hund zu kaufen. Was auch gut war denn noch heute ist dieser Händler negativ in der Presse und gerichtlich laufen da auch einige Dinge.

Wir schauten also weiter und fanden dann eine Anzeige, die sich seriös las, denn dort wurde auch was von Ahnentafel, Tätowierung usw. erwähnt. Mensch mit Ahnentafel dann muss es ja was gutes sein. Uns machte auch der Kaufpreis von 950 DM nicht stutzig, denn wir hatten ja keine Ahnung was so ein Goldie wirklich kostet wenn er von einem seriösen VDH/FCI Züchter stammt.

Wir fuhren also hin, schauten uns die Welpen an und unser kleiner Tobi kam auf uns zu und wie es wohl bei jedem Menschen ist, der Verstand schaltet sich aus, das Herz pochert ohne Ende und man ist verliebt. Ich nahm den kleinen auf den Arm und es stand fest das ist unser Goldie. Prompt wurde der arme Kerl gleich mal Tätowiert, mir stockte der Atem als der kleine aufschrie. Aber auch da hatten wir keine Ahnung. Das wird wohl so sein. Ich tröstete ihn.

Wir machten uns mit unserem neuen Familienmitglied auf den Weg nach Hause. Er war vom ersten Tag an einfach nur lieb und ein ruhiger Vertreter, er hatte auch absolut keine Probleme mit unsere Katze und die Katze auch nicht mit ihm.

Die erste Zeit hatten wir überhaupt keine Probleme mit ihm. ab und an mal ein Durchfall.

Als er ca.ein Jahr alt war ließen wir ihn Röntgen und es wurde festgestellt, dass er eine leichte HD hatte. Uns wurde geraten ihn nicht viel springen zu lassen und man müsste halt mit rechnen, dass er im Alter vielleicht Probleme bekommt.

Der Jahreswechsel kam und am 02.01.1994 kam ein Bekannter vorbei. Wir hatten im Keller Silvester gefeiert und er wollte mir helfen aufzuräumen. Er machte sich grad auf den Weg nach unten, plötzlich fiel Tobi neben mir um, zuckte, hatte Schaum vor der Schnauze und reagierte nicht mehr. Ich schrie nur auf und nach dem Bekannten. Als erstes dachte ich an Vergiftung. Mein bekannter packte sich Tobi auf dem Arm und wir liefen zum Auto und fuhren sofort zu unserer Tierärztin.

Dort angekommen war Tobi wieder normal und auch die Tierärztin konnte sich erst nicht erklären was es war. Sie vermutete vielleicht einen Darmkrampf weil Tobi sich auch völlig entleert hatte als er krampfte. Ich war erstmal froh, es war keine Vergiftung.

Das Leben mit ihm ging erstmal normal weiter und es ging ihm auch wieder gut. 3 Monate später wieder dasselbe. Ich war alleine mit dem Hund und zwei kleinen Kindern. Ich war der Verzweiflung nah, schrie den Hund an „Tobiiiiii komm zurück“, die Kinder völlig schockiert. – Puhh nun ist es wieder soweit, mir schmerzt mein Herz und ich weine beim schreiben. Ich wünsche keinem so etwas durch machen zu müssen.
Tobi kam wieder zu sich und war anschließend wie immer. Natürlich fuhren wir Nachmittags sofort zum Tierarzt und der erste Verdacht kam auf das es Epileptische Anfälle sind.

Nachdem sich dies ein drittes Mal wiederholte, wurde er auf Medikamente eingestellt. Trotz alledem bekam er immer wieder einen Anfall. Wir lernten damit umzugehen, wir wussten irgendwann kann er aus einem Anfall rauskommen und nicht mehr der alte sein. Wir wussten das es passieren kann das er während eines Anfalles zu beißen kann und so erklärten wir den Kindern, das wenn der Hund in einen Anfall fällt, sie sofort in ihr Zimmer gehen müssen, Tür zu und warten müssen bis ich sie wieder raus rufe. Und wir wussten, dass auch der Moment kommen kann, wo er nicht mehr aus einem Anfall kommt.

Einmal war es so schlimm, dass ich während eines Anfalls schon mit dem Tierarzt telefonierte. Tobi kam nicht aus seinem Anfall und es war abgesprochen, das sollte der Fall eintreten, der Tierarzt vorbei kommt und ihn erlöst. Ich sollte noch 5 Minuten warten und wenn er dann immer noch nicht bei sich ist, würde er sofort kommen.

Ich bekam Panik. „ Tobi nun komm endlich zurück, ich liebe dich doch so, ich will dich nicht verlieren“ Dabei streichelte und küsste ich ihn. Er kam zurück und ich war einfach nur überglücklich.

So ging es 7,5 Jahre lang. Tobi war mittlerweile 8,5 Jahre da bemerkte ich, dass er sich ständig an der Pfote leckte. Ich schaute nach und am äußeren Zeh war alles angeschwollen und rot. Hm, Tobi da wirst du wohl in irgendwas reingelaufen sein. Es war samstags und so fuhren wir zu einem Tiernotdienst. Der Tierarzt schaute nach und musste mit einer Nadel reinpieksen, er wollte schauen ob dort Eiter drin sitzt. Irgendwas ekeliges blutiges kam dann dort raus. Der Tierarzt meinte dann, dass er denkt das da irgendwas wuchert.

Montags sind wir dann wieder zu unserer Tierärztin und machten einen OP Termin. Ich wollte wissen was es ist. Nächsten Tag war es dann schon soweit. Es wurde großflächig weggeschnitten und genäht. Alles konnte sie aber nicht entfernen und was sie entfernt hat wurde eingeschickt.

7 Tage später kam dann das Ergebnis. Es war Krebs.

Was tun wir jetzt? Entweder haben wir Glück und die OP war Erfolgreich – Nein wir hatten kein Glück. Als der 10 Tag um war und die Fäden gezogen werden sollten war alles wieder nachgewuchert. Die Tierärztin meinte auch, da 2003 so ein heißer Sommer war, das es auch mit der wärme zusammen hängen könnte. Man sah an der Haut der Pfote, dass sich der Krebs noch mehr ausgeweitet hatte. Nächste Möglichkeit wäre eine Beinamputation aber vorher auch noch alles Röntgen um zu schauen ob der Krebs schon gestreut hat.

Ich wollte die Entscheidung nicht alleine treffen und mein Mann war zu dem Zeitpunkt im Krankenhaus. Tobi ließ sich nichts anmerken aber als Herrchen dann wieder zu Hause war, gings im schlagartig schlechter. Ob er nur auf ihn gewartet hat um sich von ihm verabschieden zu können?

Es vergingen einige Tage, alle waren gleich. Gedanken machen, was tun wir? Weinen ohne Ende weil wir nun entscheiden mussten. Mein Mann wollte keine Beinamputation bei Tobi, er wäre damit nicht klar gekommen. Und bei einem älteren Hund ist es auch fraglich wie er selber damit zu recht kommt.

Tobi war so am schmusen mit meinem Mann und auf einmal hörte man ein Rasseln in seiner Lunge jedes Mal wenn er Luft holte. Er hechelte sehr stark.
Keine Ahnung ob wir es uns eingebildet haben aber ich glaube doch das man seinen Hund gut genug kennt und auch seine Blicke aber wir hatten das Gefühl das er uns mit seinen Blicken sagen wollte“ Bitte erlöst mich, ihr müsst kein schlechtes Gewissen haben, ich weiß, dass ihr mich liebt und mich nicht quälen wollt.“

Am selben Abend des 30.07.2003 haben wir ihn dann erlösen lassen. Er schlief ganz ruhig und entspannt in unseren Armen ein.

Heute haben wir wieder einen Golden Retriever. Er ist nun fast 6 Jahre alt. Kommt von einem VDH / FCI angeschlossenem seriösen Züchter. Wir haben alles mitbekommen, wann er gezeugt wurde, wann der erste Ultraschall bei seiner Hundemama war, seine ersten kleinen Laute nach der Geburt, Besuche bei der Züchterin bis zur Abholung. Dadurch alleine ist die Bindung schon eine ganz andere. Unser Shadow ist kerngesund, kein ängstlicher Hund. Er ist sehr gut sozialisiert und hat bei der Züchterin schon alltägliche Geräusche, das Autofahren usw. kennengelernt.

DAS PASSIERT IHNEN BEI EINEM HÄNDLER NICHT.

Bitte auch wenn sie sich so sehr einen Hund wünschen und da man ja bei einem seriösen Züchter auch schon mal länger warten muss. Bitte warten sie auf ihren Schatz. Erkundigen sie sich beim VDH nach seriösen Züchtern. Es gibt auch bestimmt einen in ihrer Nähe.

copyright © 2010 by Sabine W.