Lio



Bonjour,
ich heiße Lio und komme aus einem Tierheim an der deutsch/französischen Grenze, galt dort als unvermittelbar, weil ich Menschen in Ärmel und Hosenbeine beiße. Ich bin ein Labrador und im Januar 2005 geboren.

Eine Bekannte von Ulli hat mich dort gesehen und freigekauft.

Da ich leicht in Stress gerate, ist ein ruhiger Haushalt genau das richtige Zuhause für mich.

Bei einem Besuch in Grevenbroich lernte ich Ulli Lahme und ihre Familie kennen, da sie schon seit längerer Zeit auf der Suche nach einem Zweithund war. Gesucht wurde ein Hund, der Mata (Podenco Hündin) nicht bedrängt, da sie Spondylose und das Cauda Equina Syndrom hat.
Die Signale von Mata habe ich sofort akzeptiert und mich in ihrer Gegenwart sehr ruhig verhalten.
Nach diesem Besuch haben sich alle Familienmitglieder entschlossen mich zu adoptieren.

So bin ich damals im November 2006 bei ihnen eingezogen. Zur Familie gehörten 2 Menschen, eine Hündin und ein Kater namens Karlchen. Am Anfang habe ich noch versucht Kater Karlchen zu bedrängen und zu jagen, ging aber nicht, denn da war die blöde Hausleine. Die brauchte ich aber schon bald nicht mehr.
Das Beißen in Ärmel und Hosenbeine hat fast nachgelassen, da ich einen geregelten Tagesablauf habe und mit liebevoller Konsequenz erzogen werde.
Durch mich hat meine Ulli, die ja Mensch-/Hundetrainerin ist vieles über: Stressverhalten, Hyperaktivität, Ressourcen-Verteidigung, Posttraumatische Belastungsstörung gelernt. Was würde sie wohl ohne dieses Wissen anfangen?

Ich bin ein gelehriger Schüler und habe die Basiserziehung Sitz, Platz und Bleib in Windeseile gelernt. Zu meiner geistigen Auslastung suche ich nach „vermissten“ Menschen (Mantrailing) aber nur aus Spaß an der Freude. Ein in sich ruhender Hund werde ich wohl nicht mehr werden denn mein Stress ist draußen zu groß. Im Haus bin ich sehr ruhig geworden und verbringe viel Zeit mit „Ruhen“ auf der Couch und wenn Ulli nicht da ist auch in ihrem Bett (soll ich aber eigentlich nicht).

Als tierisches Team-Mitglied der Hundeschule „tierisch menschlich!“ arbeite ich ab und an auch einmal mit, wenn Not am Mann ist.

Lio

Und nun aus Ullis Sicht:

Als Lio zu uns zog hatte er fast 2 Jahre seines Leben im Zwinger in „Einzelhaft“ verbracht, da er als vollkommen unverträglich mit Artgenossen galt.

Uns zeigte sich ein vollkommen traumatisierter und gestresster Hund der bei jeder Bewegung in Erregung geriet und überhaupt nicht zur Ruhe kam.

Durch seine Hyperaktivität war auch kein ruhiger Körperkontakt möglich meist mussten wir nach ca. 1 Minute den Körperkontakt (den er selbst suchte) abbrechen. Alles fand auf dem Boden statt, da er die Couch als Ressource verteidigte. Außerdem verteidigte er alles was in seinen Augen fressbar war, auch seinen eigenen Kot.

Wir richteten im Haus ein Zimmer für ihn ein indem er nachts mit mir schlief und tagsüber stundenweise Ruhe bekam. So wurde er nach und nach in unseren sehr ruhigen Haushalt integriert. Unsere recht kurzen Spaziergänge beschränken sich auch heute noch auf wenige Gebiete.

Lio ist ein sehr liebebedürftiger Hund und möchte immer alles recht machen. Wir liegen jetzt abends gemeinsam auf der Couch und das ist für ihn der Höhepunkt des Tages. Er ist freundlich zu allen Menschen und auch unseren Kater hat er nach kurzem Training ins Herz geschlossen.

Bei Hundebegegnungen benötigt er seine Rituale danach ist auch hier ein Hund der sich sehr gutmütig zeigt und sich gern an selbstsicheren Hunden anlehnt. Heute sind wir froh, das wir das Abenteuer „Lio“ gewagt haben.

http://www.tierischmenschlich.info/