Lilly, unsere ganz große Liebe

(Leider haben wir kein Bild von Lilly)

Lilly, lebte knapp zwei Jahre lang in einer Zuchtfabrik in Polen,ihre einzige Aufgabe bestand darin, Welpen zu zeugen und das immer wieder undwieder und wieder... Mein Mann, unsere 12jährige Tochter und ich, lebten zu der Zeit in einem Mehrfamilienhaus in Köln. Wir hatten schon eine Hündin, eine Galgohündin "Sharon". Sie kam aus einer Tötungsstation Spaniens.Generell hatten wir bisher, nur spansichen Streunern geholfen (Pflegestellen,Flugpaten) und wussten bis dahin, nicht wirklich viel von Massenzuchten,Welpenhandel usw.

Anfang 2009, gelangte ich dann auf eine sehr entscheidende Seite, meines Lebens: www.hinsehen-statt-wegschauen.de

Ich war entsetzt, über alle Maßen! Da fing ich an mich zu intressieren, mit der Ware "Welpe" auseinanderzusetzen und mehr noch: Mit deren Eltern.

Ich ließ auch meinen Mann die Homepage lesen und recht schnell war klar: Einer solchen ausgedienten, armen Seele, mussten wir dort raushelfen!

Recht schnell fanden wir einen Verein, der mit Hunden aus solchen Fabriken arbeitete, wir schauten uns jede Menge Hundeprofile aufderen Internetseite an.
Es waren absolut NUR Rassehunde. Wie sollte man auch mit einem einfachen Mischling, Geld verdienen?!
Wir waren entsetzt, was die Hunde teilweise durchmachen mussten, doch vieles kannten wir auch bereits von unseren spanischen Schützlingen (die wurden teilweise sogar verbrannt, aufgehängt, aufgeschlitzt usw.)

Als wir weiter runterscrollten, sahen uns plötzlich zwei tellergroße, schwarze Augen, ängstlich an...

Es war eine schmutzige Irish Setter Hündin, die Rute eingekniffen,die Beine eingeknickt, sah sie uns durch den Bildschirm panisch an.

Ungefähr einen Meter neben ihr, stand ein Mensch, der ihre Leine hielt, doch sie hielt sooo einen gewaltigen Abstand von ihm, dass ich Angst bekam, dass sie sich mit der Leine und dem Halsband, selber erwürgen würde.

Uns war klar, es musste diese Hündin sein und keine andere. Wir wollten aus diesem verzweifelten, verängstigten Blick, wieder ein Funkeln herausholen, ein keckes Glitzern...

Bereits nach fünf Tagen fuhren wir aufgeregt los, denn wir sollten das Fellknäuel, auf einer Raststätte bei Köln, abholen.

Als wir ankamen, war die Aufregung groß, außer der Setterhündin saßen noch zwei weitere Hunde in dem PKW. Eine weitere Settermaus und eine Goldihündin. Ach, ich hätte am liebsten alle drei mitgenommen! Als unsere Lilly aus dem Auto schlich, stand sie da, wie auf dem Foto.
Eingekniffene Rute, gesenkter Kopf und ihre Beinchen, wie die zitterten...Setter sind ja von Natur aus recht schlank aber sie - sie war ein Skellet, klapperdürr und ängstlich über alle Maßen!

Ich verfluche jeden einzelnen Händler und jeden verdammten Vermehrer aufs Neue, wenn ich an diesen Tag und an diesen Augenblick zurückdenke. Die Hündin, die vor uns gestanden hatte, war ein geistiges und auch ein körperliches Wrack.

Sanft kutschierten wir sie also in unseren Wagen und fuhren los.Sie stank so dermaßen, dass wir alle Fenster aufrissen. Zum Glück war es an diesem Tag recht warm.

Zuhause angekommen, verkroch sich die kleine Maus erst ein Mal gaaanz schnell hinter unserer Kommode. Sharon meine Galgohündin, kannte es, fremde Hunde im Haus zu haben und interessierte sich nicht sonderlich für sie.

Am Anfang hat sie Lilly noch neugierig beschnüffelt, doch schnell war die Neugierde verflogen und sie legte sich wieder gelangweilt in ihr Körbchen.

Es hat fast zwei Wochen gedauert, bis Lilly Vertrauen zu uns gefasst hat. Mit vielen Leckerchen, sanften Zuredungen und sanft streichelnden Händen, haben wir es irgendwie geschafft, aus diesem ängstlichen"Wrack", wieder eine halbwegs zutrauliche Hündin zu machen. Stubenrein war sie erst endgültig nach ca. 5 Wochen.Sie war immer ganz verwundert, über unseren Rasen gegangen. GRAS, war ihr komplett fremd!! Unsere Tochter, durfte sich ihr erst nach ca. 4 Wochen nähern, da sie scheinbar schlechte Erfahrungen, mit Kindern machen musste. Die Töchter des Vermehrers, welche aus Spaß immer die Hunde misshandelt hatten und auch noch ihre Freunde, die den Spaß scheinbar teilten. D kam es auch mal vor, das sie teilweise zu 10 waren.

Heute benimmt sich Lilly komplett anders, als noch vor zwei Jahren. Sie ist eine agile Zaubermaus geworden, tobt mit anderen Hunden über die Felder (aber bitte mit Schleppleine, ihr Jagdtrieb ist nämlich zu groß). Sie liegt bei gutem Wetter mit uns auf der Terasse und döst auf den warmen Steinen vor sich hin und auch sonst, ist sie sehr verschmust ,aber auch frech kann sie sein!

Wir haben es letzten Endes doch geschafft!

Denn ein keckes Funkeln in ihren Augen - das sehen wir nun täglich.

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