Laika


Meine "Dicke", mein Herzhund auf 4 Beinen


Am 13 April 1996 zog Laika bei uns ein.

Wir fanden sie durch eine Anzeige in der Zeitung, wo es hieß: Wunderschöne und verspielte 9 Wochen alte Berner – Sennen - Welpen aus liebevoller Hobbyzucht ….
Dass wir an einen unseriösen „Züchter“ geraten sind, sollte sich gleich am nächsten Tag beim Tierarzt herausstellten.
Kaum zu Hause angekommen mit der kleinen Maus ging der Durchfall los und es mischte sich immer mehr Blut dazu. Das Laikas Fell voller Schuppen war und sie sich viel kratzte, hatte der „Züchter“ begründet und verglichen mit Milchschorf bei Babys – ist nicht schlimm und geht von selber wieder weg!!!
Der Tierarztbesuch am nächsten Tag zeigte dann das ganze Ausmaß. Bewaffnet mit Impfausweis, Ahnenurkunde und einem kleinen Bernerwelpen unterm Arm machte ich mich auf dem Weg.
Um meine Maus stand es nicht gut und mir wurde ehrlich und offen gesagt, dass ich damit rechnen müsse, dass sie mir „eingeht“. Laika war völlig verwurmt worunter ihr kleiner Darm schon sehr gelitten hat, die Ohren und das Fell waren voller Ungeziefer. Das war aber noch nicht alles, was ich zu hören bekam. Der Impfausweis könnte gefälscht sein und der Tierarzt, der angeblich die Impfung durchgeführt hat, war Ursprünglich Pferdedoktor inzwischen aber ohne Lizenz.
Mit der Ahnenurkunde hätte ich mir meinen Allerwertesten putzen können, denn diesen Verein gab es nicht.
Mit Laika zog nicht nur eine neue Hausgenossin ein, nein ich bekam auch gleich einen neuen Beschäftigungsbereich dazu – Dauergast beim Tierarzt.
Ich habe einige Male versucht mit ihr spazieren zu gehen. Nein, Laika wollte sich keinen Zentimeter vom Haus weg bewegen. Also nahm ich sie auf den Arm, ging mit ihr zur nächsten Wiese und setzte sie dort ab – ich wollte nur das sie ihr „Geschäft“ erledigt. Nichts zu machen, selbst den Kot, den ich mitnahm und in den Büschen versteckte, animierte sie überhaupt nicht.
Männer mochte sie nicht so sehr und knurrte diese hin und wieder auch an. Am schlimmsten reagierte sie auf Männer in blauer Arbeitskleidung, da ist Laika regelrecht ausgerastet. Später fiel mir wieder ein, dass dieser „Züchter“ im Blaumann herum gelaufen ist. Hat mein Mann sie mal etwas fester gepackt, biss sie gleich um sich und zappelte solange, bis er sie los ließ. Mir gegenüber war sie immer sehr lieb.
Ich habe versucht mit dem „Züchter“ in Kontakt zu treten – vergeblich. Als ich dann aber einen bösen Brief mit Drohung eines Anwalts und Einschaltung der Medien gedroht habe, kam ein Anruf.
Er schlug mir vor, Laika zu ihm zurück zu bringen und dafür könnte ich mir einen anderen Hund aussuchen. Ich dachte ich fall aus allen Wolken – ich gebe meine Maus doch nicht zurück in die Hölle. Nach langem hin und her erklärte er sich bereit mir 200 DM für die angefallenen Tierarztkosten zu zahlen.
Laika und ich bewohnten mehrere Wochen das Wohnzimmer, was nur mit einer Kunstledercouch und ein paar Decken eingerichtet war wegen des Ungeziefers. Die paar Decken und meine Kleidung mussten täglich gewaschen werden, das Wohnzimmer und die anderen Räume wurden täglich gründlich gereinigt und desinfiziert. Nach 3 Wochen gab es vom Tierarzt Entwarnung und wir waren die lästigen Untermieter endlich los. Auch Laikas Gesundheitszustand hat sich verbessert.
Leider blieb uns nur wenig Zeit um einmal tief durchzuatmen. Laikas O-Beine machten mir Sorgen. Nach Aussage vom Tierarzt sollte sich das ändern, sobald Laika ausgewachsen ist. Über Nacht bekam Laika an der Schnauze und an den Pfoten heftige Hausausschläge mit dicken eitrigen Pusteln.
Also, wieder ab zum Tierarzt. Es wurden Hautstanzen genommen für eine genaue Diagnose. Das Ergebnis – eine bakterielle Hautinfektion.
Laika war inzwischen 5 Monate und es wurde Zeit, dass wir endlich einmal Spaziergänge unternehmen konnten. Mir lag viel daran, dass sie Kontakt zu Artgenossen bekommt und ihre Umwelt kennen lernt. Nichts Schlimmes ahnend ging ich mit ihr los. Nach wenigen Minuten blieb sie stehen, setzte sich und ging keinen einzigen Schritt mehr. Das ging eine ganze Weile so. Trafen wir unterwegs aber andere Hunde, lief sie ein ganzes Stück mit, bis sie sich wieder setzte. Also, wieder zum Tierarzt. Der beruhigte mich mit so einem Quatsch wie Wachstumsstörungen und isolierte Aufzucht. Die O-Beinstellung wurde belächelt und als „Schönheitsfehler“ verharmlost.
Eines Tages habe ich Laika auf die Hinterbeine geschaut und aus den O-Beinen sind X-Beine geworden. Zudem schwankte Laika sehr mit dem Hinterteil. Und wieder zum Tierarzt. Er bestätigte meinen Verdacht einer Hüftgelenksdysplasie. An diesem Tag wurde bei Laika beidseitig eine schwere HD festgestellt – im Alter von 6 Monaten. Das erklärte warum sie nicht laufen wollte und Menschen gegenüber, die sie berühren wollten aggressiv reagierte.
Ich habe mir von Tierärzten und Spezialisten zusätzlich Meinungen eingeholt. Dann war es soweit und Laika wurde im Alter von 8 Monaten das erste Mal operiert. Nein, sie bekam kein künstliches Hüftgelenk – die Stellung des Oberschenkelkopfes wurde „korrigiert“.
Nach dieser OP blühte Laika richtig auf. Ihr Gang war schlaksig und X-Beine hatte sie auch noch, aber sie lief – wahrscheinlich das erste Mal in ihrem kurzen Leben – fast schmerzfrei.
Ich habe noch nie in meinem Leben soviel geweint und gehofft, täglich neue Sorgen über Geld will ich gar nicht sprechen. So viele Menschen haben mir geraten Laika einschläfern zu lassen um mir dann einen gesunden Hund zu kaufen. Die Zeit voller Sorgen, Ängste und Schmerzen haben uns beide so eng zusammen geschweißt und jetzt sollte es Aufwärts gehen.
Ein Jahr darauf zog Bonny ein – eine kleine Collie/Berner - Sennen Mix Hündin. Ich nannte sie immer „Laikas Therapiehund“, der helfen sollte, das Laika die Hundesprache richtig lernt.
Laika war so stark auf mich fixiert, dass sie die ersten Tage nichts mit Bonny anzufangen wusste.
Nach kurzer Zeit waren wir 3 ein super Team und meine beiden Mäuse die besten Freundinnen.
Laika bekam in den nächsten Jahren noch einige OP‘s - der Pectineusmuskel wurde entfernt und ihre X-Beine waren weg, die Denervation (Nervenästchen wurden „zerstört) und die Golddrahtimplantation. Es ging ihr sehr gut und begleitend bekam sie Therapien wie Akkupunktur, Physiotherapie, Krankengymnastik, Unterwasserlaufband und die Bioresonanztherapie. Nach Bedarf bekam sie Schmerzmedikamente und das Tempo und die Dauer unserer Spaziergänge entschied Laika selbst.

Ich habe ihr immer versprochen, dass sie 10 Jahre alt wird – meine Maus hat es bis fast 13 geschafft.

Die letzten 2 Jahre wurde sie mit Cortison behandelt, andere Medikamente haben nicht mehr „gegriffen“. Aber das war für mich OK. So viele Jahre habe ich Laika homöopathisch behandeln können, ganz um die Chemie kamen wir aber nicht immer herum.
Die letzten Monate vor ihrem Tod ging es ständig bergauf und bergab. Ich war täglich darauf gefasst Laika gehen zu lassen. An vielen Tagen musste ich ihr auf die Beine helfen und dann lief sie los, trotz allem immer noch voller Lebensfreude. Schnell waren alle Handgriffe eingespielt, schaffte sie die 2 Stufen nicht in den Garten, habe ich ihr Hinterteil unterstützt
Die Zeit war sehr anstrengend, aber all das habe ich von Herzen gerne gemacht, denn das was sie mir in all den Jahren gegeben hat, konnte ich nie wieder gut machen.
Dann kam der Tag, an dem ich mich von meiner „besten Freundin“ für immer trennen musste. Laika kam einfach nicht mehr hoch, machte unter sich, was ihr sehr unangenehm war. Sie nahm alle Kraft zusammen damit ich sie das letzte mal nach draußen in den Garten tragen konnte. Sie löste sich und brach in meinen Armen zusammen. Ich packte sie in Decken ein – es war November – und rief nochmals beim Tierarzt an, das endlich jemand raus kommt und meine Laika erlöst. Noch heute habe ich eine große Wut im Bauch, das nicht sofort jemand raus kam. Schon um 8 Uhr rief ich das erste Mal in der Praxis an und immer wieder hieß es, ich soll Laika noch Zeit geben. Ich habe mich so hilflos gefühlt, ich hätte meiner Maus so gerne das Leid erspart, aber sie war nicht transportfähig. Ich habe sie alleine nicht hoch bekommen und natürlich war keiner zu erreichen, der uns hätte helfen können. Nach 8 Stunden kam dann endlich eine Tierärztin raus. Laika war inzwischen so schwach, das es schwer war überhaupt eine Vene zu finden. All das Leid hätte am Vormittag schon vorbei sein können. Muss ein Tierarzt nicht raus kommen, wenn ein akuter Notfall besteht? Ein Jahr lang kam der Tierarzt zu uns nach Hause um Laika ihre Spritzen zu geben. Sehr oft wurde über eine Einschläferung gesprochen. Ich bin davon ausgegangen, das, da jeder Tierarzt aus der Praxis wusste wie es um Laika steht, auch schnell jemand raus kommt.
Sie fehlt mir und ich vermisse ihre plumpe Art, mit der sie mich ständig umgeworfen hat, ihre dicken Pfoten, die sich unsanft in meine Füße gedrückt haben, ihre Küsse, die einem starken Regenguss glichen, ihr lautes Schnarchen und ihre sanfte Art, wenn sie sich an mich kuschelte.
Laika war für mich etwas Besonderes – meine Seelenverwandte - meine beste Freundin.
So leid mir die Hunde auch tun, aber nie wieder einen Welpen aus einer Massenzucht/Qualzucht oder wie immer man es nennen möchte.

copyright © 2012 by Karin Obrez