Der Leidensweg von Lady...


"Einschlafen dürfen, wenn man müde ist, und eine Lastfallen lassen dürfen,
die man lange getragen hat, das ist eine köstliche, wunderbare Sache."
(Hermann Hesse)

Lady war bereits 6 Jahre alt als sie ihre Hölle verlassen durfte. 6 Jahre ohne Liebe, Zuneigung, Achtung und Wärme. Ja Lady war auch eine Zuchthündin deren einzige Aufgabe darin bestand möglichst oft viele Welpen zu produzieren.

Ladys Weg in die Freiheit führte über das Tierheim in die erste Pflegestelle. Fressen bis der Hunger weg war, im warmen schlafen und streichelnde Hände kannte sie aus ihrem früheren Leben nicht. Und sie genoss es sehr. Lady war für jeden Spaß zu haben und zeigte in ihrer ersten Pflegestelle keine Schmerzen. Leider typisch Zuchthund..

Sie hatte das Glück einen wunderbaren Urlaub am Meer genießen zu können, zusammen mit Menschen die sie liebten und Ihren neuen Kameraden auf 4 Pfoten. Lady hatte tagsüber kaum Ängste und passte sich wunderbar in ihre Familie ein, nachts hingegen passte nichts. Sie wachte in kurzen regelmäßigen Abständen auf und bellte. Hatte man sie wieder beruhigt dauerte es keine Stunde und das Spiel begann von vorne. Bis morgens…

Wir konnten leider nie ergründen woher dieses verhalten kam, waren es Ängste? War es Gewohnheit oder waren es Schmerzen….

Lady kam wegen ihrer nächtlichen Unruhe zu mir. War am ersten Tag etwas schüchtern aber neugierig. Ich erinnere mich noch gut an den abendlichen Spaziergang, anfangs trottete sie ein wenig hinterher doch dann kam das Wasser. Die anderen drei Hunde gingen rein und sie schaute ihnen sehnsüchtig hinterher. Also ging ich mit ihr an der Leine runter zum Wasser, sie stieg rein und legte sich hin. Sie lächelte und wollte nicht mehr rauskommen. Sie war glücklich und ich mit ihr. Doch dann wurde alles anders…

Am nächsten Tag war sie nur noch schwer zu überreden spazieren zu gehen, sie zeigte erste Schmerzen. Am nächsten Tag fuhren wir zum Tierarzt. Man stellte eine schwere Spondylose, schwere Arthrose und HD fest. Außerdem stand noch eine Entzündung im Raum welche durch ein Blutbild abgeklärt werden sollte.
Wir gaben ihr umgehend Schmerzmittel um ihr das Laufen angenehmer zu machen doch sie wollte nicht. Ich trug sie zur Wiese, dort lief sie ein paar Meter um ihr Geschäft zu machen und legte sich hin. Keine Chance sie zum laufen zu bewegen.

2 Tage nach dem ersten Tierarztbesuch dann das unfassbare. Lady pinkelte in die Wohnung und legte sich dann zwei Schritte weiter auf ihren Platz, während ich mit saubermachen beschäftigt war würgte sie und auf einmal kam eine Blutfontäne aus ihrem Darm.

Wir fuhren sofort in die Klinik, sie wurde untersucht und musste für eine dringende OP stabilisiert werden. Ladys Bauchraum war voller Eiter, im Darm Blut und all ihre inneren Organe waren bereits geschädigt. Ihr wurden Abszesse aus dem Bauchraum geschnitten, ihre kaputte Milz wurde entfernt und es wurde stundenlang gespült um die Keime aus ihr raus zu bekommen. Auch am nächsten Tag kam sie nochmals in den OP. Sie bekam Medikamente, Plasma und Bluttransfusionen. Sowohl Lady als auch die Ärzte kämpften fast eine Woche um ihr Leben. Doch all die Jahre in Gefangenschaft, mit Müll zum fressen, fehlende medizinische Kontrollen schlauchten ihren Körper zu sehr.

Lady hat ihren Kampf gegen ihre Vergangenheit am 07.10.2009 um elf Uhr verloren.

copyright © 2009 by Michael Hoffmann