Jarule – Nur 5 Tage blieben dir, die Freiheit und Liebe kennen zu lernen


Ein ca. 6 Jahre alter Golden Retriever Rüde, der sein bisheriges Leben als Deckrüde in einer Vermehrhölle hier in Deutschland verbracht hat zieht am 18.04.2008 bei uns ein. Einen Namen hatte er bis zu diesem Tag nicht, nur eine Nummer. Dies änderte sich mit dem Tag seiner „Befreiung“ und er bekam den Namen Jarule.

Jarule hatte bisher nichts Gutes in seinem Leben erfahren. Kannte keine Sonne, kein Gras, keine streichelnde Hände. Als Futter gab es höchstens Abfälle, verschimmeltes Brot und dreckiges Wasser.
Jarule wurde ständig mit Hormonen behandelt damit er immer bereit war läufige Hündinnen zu decken. Zu diesem Zweck wurde er dann aus seinem Verlies geholt und anschließend wieder weg gesperrt.
Das Jarule krank war interessierte keinen. Es zählten nur die Welpen die er mit den Zuchthündinnen produzieren musste. Als er allerdings (auch bedingt durch die Krankheit) keine „Leistung“ mehr brachte durfte er die Vermehrhölle verlassen und wurde von dem Verein übernommen in dem ich als Pflegestelle aktiv war.

Am Freitag, den18.04.2008 holte ich unseren neuen Pflegehund Jarule ab. Mir wurde mitgeteilt, dass er durch eine Blasenentzündung Schwierigkeiten hätte Pipi zu machen. Jarule sei aber mit einem Antibiotikum bis Montag versorgt.
Jarule hatte trotz seiner schlimmen Vergangenheit zu uns Vertrauen und war einfach nur lieb. Am Samstagmorgen ging ich mit ihm in den Garten. Dort versuchte er Pipi zu machen, aber alles was kam waren ein paar Tröpfchen. Mein erster Gedanke war, das ist keine Blasenentzündung, das ist was anderes. Als Jarule dann noch sein Geschäft machte war ich einfach nur sprachlos. Dieser Haufen war voller Würmer.
Ich habe mich mit Jarule sofort auf den Weg zu unserer Tierärztin gemacht. Ihr hatte ich auch von der angeblichen Blasenentzündung und den Schwierigkeiten beim Urin lassen erzählt. Jarule wurde untersucht, dann Ultraschall und anschließend noch röntgen. Von meiner Tierärztin erfuhr ich dann, dass die Würmer das kleinste Problem sind was wir hatten.

Nach all diesen Untersuchungen zog sie ihren Mann hinzu. Er ist ebenfalls Tierarzt. Mir wurde mitgeteilt, dass nur noch eine sofortige OP Jarule retten könnte. Er habe die Blase und Harnröhre voller Steine und ein Stein lag so, dass er den Blasenausgang bzw. die Harnröhre verstopfe.
Er wurde sofort operiert. Abends sollte ich mich melden. Eventuell könne ich Jarule dann wieder mit nach Hause nehmen. Es wurde ein unendlich langer Tag und die ganze Familie war mit den Gedanken bei Jarule.
Abends konnte ich Jarule tatsächlich mit nach Hause nehmen. Allerdings sah die Prognose nicht gut aus. Mein Tierarzt musste einen „künstlichen“ Ausgang zwischen Hoden und Penis für den Urin legen da die Harnröhre sehr angegriffen war. Auch die Blase war ziemlich geschädigt. Auf Grund dieser Schädigungen gestaltete sich die OP sehr schwierig und wir konnten nur noch hoffen, dass alles gut wird.

Spät an diesem Samstagabend holten uns die Sorgen um Jarule wieder ein. Er stand von seinem Platz ganz wackelig auf und ich sah, dass er um die OP-Wunde blutverschmiert war und es auch weiter blutete. Mein Mann packte Jarule in ein großes Tuch und dann ins Auto. Auf dem Weg zum Tierarzt versuchte ich die Blutung so gut es ging zu stoppen.
Nach der Untersuchung erfuhren wir, dass sich die Wunde ein Stück wieder geöffnet hatte weil das ganze Gewebe unheimlich porös und angegriffen sei. Jarule sollte über Nacht bei unseren Tierärzten bleiben.

Am Sonntagmittag konnten wir ihn wieder abholen. Es ging ihm relativ gut. So blieb es auch den ganzen Sonntag. Er konnte durch seinen „künstlichen“ Ausgang sogar Pipi machen. Den Nachmittag hat im Garten genossen. Und gefressen hat er auch etwas.

Auch Montag ging es ihm recht gut. Allerdings hatte er spätabends schon wieder Schwierigkeiten Urin zu lassen.

Dienstagmorgen bin ich mit Jarule sofort wieder zu unserer Tierärztin. Es sollte mit einer Katheteruntersuchung festgestellt werden ob sich wieder neue Steine gebildet hatten. Dafür legte sie Jarule in Narkose. Ich war bei dieser Untersuchung (wie bei allen außer der OP) natürlich wieder dabei und konnte so sehen, dass der Katheter nur ein kleines Stück in Richtung Blase geschoben werden konnte. Beim Röntgen zeigte sich dann, dass wieder einige Steinchen (die bei der ersten OP nicht entfernt werden konnten) das verbliebene Stück Harnröhre verstopften.

Eine weitere OP war nicht möglich, da die Blase und Harnröhre sowie das gesamte Gewebe in diesem Bereich zu sehr angegriffen waren. Es hätte keine Naht mehr gehalten. Unsere Tierärzte sagten mir, ich solle Jarule nicht mehr aus der Narkose aufwachen lassen und ihn über die Regenbogenbrücke gehen lassen.

Das war für mich ein ganz schrecklicher Augenblick. Ich hatte mich doch noch gar nicht von ihm verabschiedet und auch meine ganze Familie rechnete damit, dass ich Jarule wieder nach Hause bringe. Wir hatten doch alle beschlossen, dass wir Jarule „adoptieren“ und er bei uns noch viele schöne Jahre haben soll. Aber ich habe auf den Rat der Tierärzte gehört und ihn gehen lassen. Und ich habe Jarule auch wieder mit nach Hause genommen. Er hat seinen Platz nun bei uns im Garten.

Es ist furchtbar, dass dieser tolle Hund aus reiner Geld- und Profitgier des Vermehrers so leiden musste. Und es ist grausam, wie viele Rüden und Hündinnen aus diesen Gründen immer noch leiden.

Wann hört das endlich auf! Wann werden die Menschen endlich wach und erkennen, dass sie mit ihrer „Geiz ist Geil“ Einstellung zu diesem Leid der Hunde beitragen!

 

copyright © 2012 by Ilja Hermann