Francis


"Wenn des Lebens Last stärker wird als des
Lebens Freude, ist der Tod das Tor zum Leben."
(Verfasser unbekannt)

Francis, durfte nach fast 7 Jahren ihre Zuchtstätte verlassen....
Francis, nach 7 Jahren endlich glücklich...

Als unsere Pflegehündin Francis im September 2007 bei uns einzog, geschah es mit vielen Ängsten und Bedenken, ob wir ihr gewachsen sind und nicht überfordert wären. Denn wir wurden gleich mit einem knurren und Schnappen begrüßt.
Als ehemalige Zuchthündin, wussten wir nicht was sie alles über sich ergehen lassen musste und das fast 7 Jahre lang.
Bei der Ankunft in unserem Haus, haben wir sie erst ankommen lassen. Sie durfte erst ein Mal unseren Garten erkunden und unsere Hunde kamen dann nach einer Weile dazu. Unsere Hunde fanden sie interessant, worüber aber Francis anderer Meinung war. Unsere Hunde wollten sie nur begrüßen, doch sie knurrte, fletschte und zeigte eine Abwehrhaltung, die unsere Hunde aber sofort verstanden und sie in Ruhe ließen.
Ab den Tag ignorierten unsere Hunde Francis aus und so handhabten wir das auch.
Im Haus war sie sehr unruhig, unsicher und ängstlich. Für sie war ich sofort ihre Bezugsperson, sie wich mir nicht von der Seite und folgte mir überall hin, wie ein Schatten.
Sobald einer aus unserer Familie mir bzw. Francis zu nahe kam, das gleiche Bild: Sie knurrte und fletschte die Zähne!
Zu dem Zeitpunkt kamen wir an unsere Grenzen an, aber wir wollten ihr eine Chance geben und sie nicht aufgeben. Das hatte sie nicht verdient.
Sie ist es die gelitten hat durch Menschenhand. Für sie muss es wie ein Kulturschock gewesen sein, daher ihr verhalten, welches nur ein Abwehrverhalten war und nichts Bösartiges.
Plötzlich ist sie in eine andere Umgebung mit ganz anderen Gerüchen, Geräuschen, die sie bisher nicht kannte. Sie bekam ein weiches Bettlager, regelmäßiges hochwertiges Futter und eine Hand, die sie mal nicht schlägt, sondern zart streichelt.
All das hat sie nie bekommen, was für unsere Hunde selbstverständlich ist und daher ist sie so durcheinander und muss alles erst verarbeiten.

Genau das verarbeiten musste Francis und zwar sehr viel, so dass wir ihr einfach die Zeit gaben, die sie brauchte.
Mit dem Auto zum TA war nicht möglich, da die Gefahr bestand, das Francis wieder in ihre Angst zurück fällt.
Unser TA konnte sie nur in meine Anwesenheit in unserem Haus untersuchen, wo sie sich sicher fühlte. Bis auf ihre Zähne und Ohren war sie soweit Gesund.
Francis wurde dann immer offener, erst zu dem Rest meiner Familie und dann auch zu unseren Gästen. Sie fand auch immer mehr halt und orientierte sich an unseren Hunden, die sich mittlerweile wie ein Rudel bewegten. Als wenn sie immer schon zusammen gehörten.
Wenn sie nicht bedrängt wurde ging sie sogar auf Fremden Menschen vorsichtig zu und verlangte sogar erst schüchtern, dann nach einer weile doch sehr energisch ihre Streicheleinheiten.
Wir waren über ihre Fortschritte überwältigt, wie schnell sie offener wurde und gelernt hat uns Menschen wieder zu vertrauen. Sie war nach nur 4 Wochen nicht mehr wiederzuerkennen und so kam es eines Tages, das Francis mir ein Zeichen gab, wer ihre neue Familie werden sollte. Es war ein Freund, der regelmäßig zu uns kam und auch sofort zu Francis einen Draht hatte bzw. sein herz an Francis verlor. Sie legte sich demonstrativ zu ihm und schaute mich dabei an. Dieser Blick sagte mir alles.
So zog Francis nach Voltlage, ist eine aufgeschlossen Hündin geworden und ohne Angst auf jeden zugeht, wenn sie nicht bedrängt wurde.
Sie lebte nun in einer Familie, mit 3 Kindern und den anderen Hund der Familie.
Sie hat nun ihr altes Leben hinter sich gelassen und genießt einfach nur ihr neues Leben. Nach fast 2 Jahren wunderten wir uns immer wieder aufs Neue, was Francis für eine Wandlung gemacht hat und hätten es nie für möglich gehalten.

Wie das Schicksal von Zuchthündinnen so spielt, wurde Francis unsere „Lady in Red“ auch nicht verschont.

Francis brach zusammen und sie ließ sich aufgrund ihrer Schmerzen nicht untersuchen. Sie wurde „aggressiv“, das Ärzteteam hatte kaum eine Chance sich ihr zu nähern. Der Kontrollverlust über Blase und Darm, sie konnte sich nicht entleeren, war auch ein nicht guter Vorbote. Weitere Untersuchungen wurden auf den nächsten Tag verschoben und sie bekam zuerst ein Mal Medikamente gegen die Schmerzen.

Da ihre Familie aufgrund ihrer Arbeitssituation keinen freien Tag einrichten konnten, kümmerte ich mich um Francis ohne zu ahnen, dass es ihr letzter Tag sein sollte. Francis sah gar nicht gut aus und ich befürchtete das Schlimmste.

Ihr ganzer Körper war aufgedunsen und sie knickte hinten ständig ein und konnte kaum laufen. Obwohl sie wahnsinnige Schmerzen hatte, freute sie sich, als sie mich sah und versuchte mir entgegen zu eilen, welches ihr aufgrund ihrer akuten Erkrankung mehr wie schwer fiel. So fuhr ich mit Francis zum Tierarzt, um die angeordnete Untersuchung durchführen zu lassen.Francis Zustand verschlechterte sich zusehends.
Wieder wurde Francis dem Tierarzt gegenüber sehr aggressiv, so dass ich ihr einen Maulkorb umlegen musste. Sie konnte schließlich dann auch geröntgt werden, und die ganze erschreckende Wahrheit ihres Ist-Zustandes an den Tag brachte.
Wie ich ahnte stand es sehr schlecht um Francis und der Tierarzt musste mir leider die niederschmetternde Diagnose mitteilen.

Sie ist nicht mehr zu retten und man könne sie nur erlösen, um ihr die Schmerzen zu nehmen.

Diagnose vom Tierarzt:
Der Hund Francis hatte hochgradige Spondylosen, eine spinale Instabilität im Bereich der Cauda equina und abgebrochene Arthosen im rechten Hüftgelenk. Die Summe aller Probleme führte zu einer Lähmung der Hinterhand mit einem Unvermögen Kot und Harn abzusetzen. Alles war begleitet mit hochgradigen Schmerzen aus der Fraktur der rechten Hüfte.

Ich war entsetzt und teilte die Meinung des Tierarztes, dass Francis wahrscheinlich mit diesem Befund schon aus der Zucht entlassen worden ist. Nie hatte sie Probleme und war auch bis auf eine Lungenentzündung ernsthaft krank.

-Warum hat sie uns kein Zeichen gegeben?
-Warum war ihr nicht mehr Zeit vergönnt? Hatte sie die 3 Jahre in Freiheit ihre Schmerzen aus Liebe zu ihrer Familie verborgen?
-Kann ein Lebewesen so stark sein?

Sie hat ihre Familie über alles geliebt, anders kann ich diesen Verlauf nicht deuten. Sie ist aus der Vermehrerhölle herausgekommen um still weiter zu leiden. Aber diesmal war es ein anderes Leid. Ihr Körper war den vielen Welpen die sie für den Billigmarkt gebären musste nicht ausgerichtet. Sie funktionierte all die Jahre, nur um zu überleben.

In ihrer Familie konnte sie all das hinter sich lassen. Das Geheimnis ihrer Schmerzen hat sie keinen Augenblick preis gegeben. Ihre Seele konnte heilen ihr geschundener Körper leider nicht. Es war zu spät.

Ich fuhr wieder mit Francis nach Hause und verabschiedete mich von dieser wunderbaren Hündin. Ich legte mich zu ihr und war für sie da. Ich wusste es würden die letzten 2 Stunden sein und Francis wusste es auch. So warteten wir gemeinsam bis ihre Familie kam, um auch von ihr Abschied zu nehmen.

Am 27.04.2010 um 16.10 Uhr erlöste sie der Tierarzt sanft von ihren Schmerzen und übergab ihr Leben einer anderen Welt.

Wir haben die Hoffnung, dass sie all die Liebe mitgenommen hat, die Francis in den letzten Jahren erfahren hat. Wir haben die Hoffnung, dass die Vermehrer-Zuchthündinnen den Menschen verzeihen mögen.
Das unendliche Leid um den Billig-Welpen-Markt zu bedienen.

Wir haben die Hoffnung, dass Francis und all die anderen wunderbaren Geschöpfe, auch wenn sie nicht anklagen können, Sie ihre Lebensgeschichten nicht vergessen.

Wir haben die Hoffnung, dass Sie die traurigen Lebensgeschichten der Hündinnen, wie Francis und all die von denen auch wir nie etwas erfahren werden, zum Anlaß nehmen, Ihr Wissen um das miese Geschäft mit den Billig-Welpen weiter zu erzählen.

Öffnen Sie Augen und Ohren bei denen, die glauben, es gibt kein Leid in der Hundezucht.

 

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