Finja


Finja, eine Mutter von Billigwelpen...

Am 08.06.2013 öffnete sich für Finja, eine 6 jährige Golden-Retriever-Hündin, das Tor zur großen, weiten Welt.
Sie kam zu uns mit einem Biss im Gesicht und einem geschundenen und ausgelauchten Körper. Finja sah mindestens 4 Jahre älter aus und auch ihr Gangbild machte uns große Sorgen.
Gleich am ersten Tag mussten wir die Notfallsprechstunde aufsuchen, um die entzündete tiefe Bisswunde in ihrem Gesicht zu behandeln.
Ihr starkes Untergewicht erforderte eine spezielle Fütterung, damit die Hündin die Kraft aufbringen konnte, zu genesen.
Finja entwickelte sich in den ersten Tagen erwartungsgemäß, doch nach einer Woche geschah Unerwartetes, was uns und Finjas Leben noch einmal völlig aus der Bahn werfen sollte.
Am 19. Juni gebar Finja unerwartet innerhalb von 29 Stunden 5 Welpen, von denen drei lebten und zwei bereits tot zur Welt kamen.
Die beiden Hündinnen und der kleine Rüde waren jedoch stark untergewichtig und auch noch nicht ausreichend entwickelt, so dass sie innerhalb von 3 Tagen trotz intensivster Bemühungen ebenfalls verstarben.
Die Gesamtsituation war für alle dramatisch.
Die Freiheit, die für Finja der Eintritt in ein wunderschönes Hundeleben hätte sein sollen, wurde für ihre zarte Seele zur Tortur.
Ein Kulturschock, eine schwere, 29 Stunden andauernde Geburt, ihre sterbenden Kinder - Finja erlitt Höllenqualen.

Sie fand keine Ruhe mehr, sie schrie, fraß nichts. Finja lief nur ruhelos im Haus hin und her, sie biss sich die Haut auf und wir konnten keinen Kontakt mehr zu ihr aufbauen---Finja hatte ein Trauma.

Inzwischen haben sich schon viele Wogen geglättet, doch dass Erlebte hat bei Finja, wie auch bei uns, eine tiefe Narbe hinterlassen.
Wir haben durch viele Gespräche und viele gute Freunde einen Weg gefunden, mit der derzeitigen Situation zu leben und zurecht zu kommen.

Finja wurde, und wird weiterhin, mit homöopathischen Mitteln unterstützt und wir geben ihr alle Zeit die sie braucht.
Sie hat heute noch starke Verlustängste und lässt uns in unbekannten Situationen nicht aus den Augen.

Heute ist sie 15 Wochen bei uns. Während dieser Zeit musste ihr eine Gesäugeleiste abgenommen werde, da sich dort aufgrund der Überbeanspruchung und den furchtbaren Haltungsbedingungen 5 Tumore entwickelt hatten. Ihre Gebärmutter und die Eierstöcke waren überwuchert von Zysten und wurden ebenfalls entfernt.
Diese OP hat Finja mit links gemeistert, sie hatte in den zurückliegenden Jahres schon so viel Schlimmeres und so viele Schmerzen erleben müssen, sie kannte es ja nicht anders.
Ein, aufgrund ihres auffälligen Gangbildes, noch in der Narkose angefertigtes Röntgenbild ergab jedoch leider die nächste schlimme Nachricht.
Ihre Hüfte war gebrochen und ebenso ein Oberschenkelknochen. Beides wurde nicht behandelt, da für die Welpenproduktion nicht von Relevanz, ist schief zusammen gewachsen, so dass der Knochen nicht mehr in der Pfanne liegt. Sie geht wie eine Marionette und auch hier wird ihr, wenn auch nicht sofort, eine Operation nicht erspart bleiben.

Finja, eine Mutter von Billigwelpen.
Niemand sieht ihr Schicksal, niemand sieht ihr Leid, aber alle sehen die wunderschönen, günstigen Welpen, die sie uns Menschen geschenkt hat.
Wann denken die "Welpenkonsumenten" endlich nach?

 

Finja sucht noch ihre Menschen und würde sich über ein neues, ein eigenes Zuhause freuen. Auch sie soll erleben dürfen, wie schön das Leben sein kann.
Finja ist erst 6 Jahre alt, sie hat die 2. Hälfte ihres Lebens noch vor sich!

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