Faith - Rettung in letzter Sekunde?


Ein langer harter Winter liegt hinter uns. Wie oft haben wir uns beschwert, über die dauerhafte Kälte, der Schnee der einfach nicht schmelzen will. Der Frühling ließ dieses Jahr lange auf sich warten. Pfingsten steht vor der Türe und die Wetterprognosen lassen hoffen. Die Sonne wird uns wieder wärmen.

An solch einem Frühlingstag soll auch für Faith die Sonne endlich scheinen. 8 Jahre lang war sie ihrem Herrn „stets zu Diensten“.Sie lebte alle diese Jahre im Verborgenen.

Faith, (bedeutet Vertrauen, Glaube) braune Labradorhündin, 8 Jahre alt. Ein unglaublicher Tag für die Hündin. Sie darf die Vermehrerstätte verlassen, sie wird von lieben Händen geführt, begleitet, umsorgt und darf LEBEN.

Ja dieser Tag begann mit großer Hoffnung und großer Freude. Was so schön begann wurde ein Albtraum, für die Hündin und für die Menschen die sich ihrer annahmen.

Rettung in letzter Sekunde?

"Ich hatte schon längst keine Hoffnung mehr,
Doch jemand hat dich geschickt, von irgendwo her
Du hast mich gefunden,
in der letzten Sekunde.
Ich wusste nicht mehr genau was zählt
Nur: es geht nicht mehr weiter, wenn die Liebe fehlt
Du hast mich gefunden,
in der letzten Sekunde."
(Auszug aus dem Lied Pflaster von Ich & Ich)

Dieses Lied begleitete uns auf unserem Weg zum Tierarzt. Wie lebensbedrohend die Verletzung die Faith mitbrachte war, konnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht einschätzen. Faith, gefunden in letzter Sekunde? Hätte sie einen einzigen weiteren Tag überlebt? Hätte sie ohne med. Sofortmaßnahmen überhaupt eine Chance gehabt?

Sicher ist zum jetzigen Zeitpunkt nichts, Ende offen. Wird sie es schaffen, wird ihr schwer verletzter Körper diese letzte Chance auf ein besseres Leben noch annehmen können?

8 Jahre unbeachtet, ausgebeutet auf der Schattenseite des Lebens. Faith wurde von einer Tierärztin erstversorgt und sofort wieder ins Auto verbracht, noch mal durchhalten durchatmen und hoffen, dass wir zügig in der Tierklinik ankommen. Faith ist ein Fall für den Chirurgen.
Vielen Dank an dieser Stelle an die Tierärztin. Sie handelte professionell schnell und sie wollte partout keinen einzigen Euro für ihre Mühen annehmen.
Es war schon spät und so entschieden wir uns noch während der Fahrt in der Klinik anzurufen. Der Tierarzt kennt unseren Tierschutz-Verein und bereitete sich auf den Notfall Faith vor.

Durch eine Öffnung im Bauchbereich drückte sich ein etwa Tischtennisball großes Gewebeteil nach außen, von dem niemand genau wusste um was es sich handelte.

Nachdem die Op-Vorbereitungen abgeschlossen waren, Faith in Narkose lag, wurde das ganze Ausmaß der Bissverletzung sichtbar. Die Bauchdecke war durch einen Fangzahn aufgerissen worden, sehr viel Blut und Gewebe war in den inneren Gesäugebereich eingedrungen. Auf dem Bild kann man sehen wie geschwollen der Bauch durch die Einblutung schon war. Die OP ging über mehrere Stunden.
Der massive Blutverlust setzte Faith sehr zu und das Ärzteteam war nicht sehr zuversichtlich, die Blutungen konnten nur unter großen Schwierigkeiten nach und nach gestoppt werden. Ihr wurden Drainagen gelegt, damit Blutvorkommen und Wundsekrete nach und nach ablaufen können. Gegen 23:00 Uhr hatte Faith die Operation überstanden und das Ärzteteam, bei denen wir uns auch an dieser Stelle noch einmal ganz ganz herzlich für ihren unermüdlichen Einsatz bedanken möchten, endlich Feierabend.
Ursprünglich sollten auch noch die schlimmsten Stellen im Gebiss mitbehandelt werden. Es mussten Prioritäten gesetzt werden, es ging nur noch darum, ihr Leben zu erhalten.
In der ersten Nacht blutete Faith noch stark nach, am Morgen schien es schon wesentlich besser. Gegen 12:00 Uhr war der TA bei uns. Faith hat kein Fieber, sie ist aufgestanden und macht den Umständen entsprechend einen stabilen Eindruck.
Die zweite Nacht und Faith verliert wieder sehr viel Blut vermischt mit Wundsekreten. Das ist nicht gut und wir waren in großer Sorge. Um 10.30h stehen wir wieder mit Faith vor der Klinik-Türe, die Ärzte müssen sich die Hündin noch mal anschauen. Eine Ultraschall-Untersuchung soll Klarheit bringen, wo in ihrem Körper eine unentdeckte Beschädigung ist. Die Ursache ist trotz des Ultraschalls nicht zu finden. Eine erneute Narkose und Bauchöffnung, ist aus med. Sicht nicht möglich. Es sieht wirklich nicht gut aus.

Faith hat es leider nicht geschafft. Ihr Körper hat den Blutverlust nicht verkraftet. Die Blutungen konnten nicht mehr gestoppt werden. Die Blutgerinnung war nicht mehr messbar und so mussten wir, auch auf Anraten der Klinik-Ärzte, die schwere Entscheidung für Faith treffen und sie schmerzfrei in unseren Armen von ihren Leiden erlösen.

Kleine Faith, du warst nur nur 3 Tage in Freiheit.

Wie viel Angst musstest du aushalten?
Wie groß waren deine Schmerzen?
Wäre dein Leben zu retten gewesen, wenn der Tag deiner Freiheit früher begonnen hätte?
Die drei Tage mit dir können wir nur ertragen weil wir wissen, dass du jetzt keine Schmerzen hast und deine Seele Frieden findet. Wir sind unendlich traurig, dass du das Leben inmitten von Liebe, Geborgenheit, Zuwendung inmitten einer Familie nicht mehr kennen lernen durftest. Drei Tage in unserem Leben, Faith diese drei Tage werden wir nicht vergessen und auch du wirst unser Antrieb sein, weiter zu machen.

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