Enya


Am 28.11.2009 zog Enya, eine 6-7 Jahre alte Schokolabbiline bei uns ein. Unser Verein Retriever und Freunde e.V. war erst wenige Tage alt. Dennoch konnte bereits eine erste Gruppe von Zuchthündinnen übernommen werden und es musste schnell gehen. Und so machte sich Enya zusammen mit ihren Weggefährtinnen Janny, Pumpkin und Emma-Lea auf den Weg zu Freunden.

Sie hatte ein wenig Übergewicht, ein hängendes Gesäuge, eine eingewachsene Wolfskralle und einige Liegeschwielen. Ein paar ungewollte Mitbewohner hatten sich auch mit auf die Reise gemacht. Ihr Fell war ganz stumpf und sie stank schrecklich. Aber das machte uns alles überhaupt nichts aus, denn sie war einfach nur unendlich liebenswert und freundlich. Alle, egal ob Hund oder Mensch, wurden von ihr ausgiebigst und stürmisch begrüßt. Trotz ihrer schrecklichen Vergangenheit hatte sie das Vertrauen in den Menschen nie ganz verloren. Gerade so als hätte sie gewusst, dass ab diesem Tag alles gut für sie werden würde.

Neugierig entdeckte Enya jeden Tag ein wenig mehr von ihrem neuen Leben. Das „normale“ Hundeleben kannte sie ja bisher nicht. Das Leben im Haus, ein warmes und weiches Körbchen, Autofahren, Spazieren gehen, Spielen, einfach alles war ihr noch fremd. Enya orientierte sich sehr an unseren eigenen Hunden, kam uns Menschen aber auch immer ein Stück näher. Das Vertrauen wuchs und somit konnten wir gemeinsam neue Herausforderungen, wie beispielsweise den Besuch beim Tierarzt, meistern.

Immer mehr genoss sie die Vorzüge ihres neuen Lebens und blühte richtig auf. Das Knuddeln wurde zu einer ihrer liebsten Beschäftigungen - neben dem Inbeschlagnehmen unserer Couch, aber das haben wir mit einem Lächeln im Gesicht gerne hingenommen.

Sie war uns mehr als unendlich dankbar für alles. Enya gab sich große Mühe, uns eine Freude zu machen und zu gefallen. Sie war ein Gute-Laune-Hund und eine wahre Charmebombe. Jeden den wir trafen, bezauberte sie mit ihrer so liebenswerten Art. Mit viel Spaß bei der Sache lernte sie zuerst ihren Namen, dann das Laufen an der Leine sowie die ersten Grundkommandos. Immer ganz ohne Druck und auch nur ein paar kurze Sequenzen am Tag, wir haben uns da ihrem Tempo angepasst.

Dann kam der Tag, an dem die erste Bewerbung für sie einging. Da wurde uns wieder bewusst, dass sie nicht ewig bei uns bleiben wird.
Es gingen noch einige Bewerbungen ein, bis sich für Enya dann die weltbeste aller Familie fand. Enya blieb jedoch zunächst noch bei uns, da sie vor ihrem Umzug noch kastriert werden sollte. Sie kannte unseren Tierarzt und sollte sich in ihrer bis dahin gewohnten Umgebung erholen können.

Und dann war es soweit: Es kam der Tag, an dem es Abschied nehmen hieß. Für uns war es ein sehr schwerer Tag, aber für ihre neue Familie war es ein wunderbarer Tag. Sie haben sich riesig auf Enya gefreut. Es brauchte seine Zeit, um über Enyas Auszug hinweg zu kommen, aber wir wissen, dass sie sich in ihrem neuen Zuhause sehr wohl fühlt. Sie wird von Herzen geliebt und umsorgt.

 

Text und Fotos: copyright © 2010 by Y.Russ