Cher



Cher wurde im Dezember 2006 bei einem Vermehrer geboren. Ihr lückenlos geführtes Impfbuch und wenige bekannte Grundkommandos lassen vermuten dass sie von dort aus in eine Familie verkauft wurde.
Das klingt zunächst ja mal gut aber so ist es wohl nicht geblieben. Cher war nicht gesund, starke Darmprobleme führten dazu dass sie sich nicht richtig entwickelte und viel zu dünn war.
Die Impfeinträge verteilten sich im ersten Lebensjahr quer durch das Land. Cher wurde ein echter Wanderpokal und landete wieder bei einem Vermehrer.
Es wollte sich wohl niemand um ihre Gesundheit kümmern und was die Erziehung und eine ausgeglichene Prägephase angehen war der Zug schon längst abgefahren.
Nun sollte sie zur Zuchtmaschine gemacht werden, Welpen sollte sie produzieren, möglichst viele. Hormonbehandlungen und die üblichen Methoden der Vermehrer haben ihr offensichtlich „den Rest“ gegeben. Aus der Welpenproduktion wurde nichts. Entweder blieb die Läufigkeit komplett aus oder sie hat nicht aufgenommen. Welpen hatte sie keine. Das war Chers Glück, sie konnte Dank einiger Tierschützer die Vermehrerfarm verlassen.
Übernervös und völlig abgemagert kam sie im April 2008 über eine Kontaktperson zu einem Tierschutzverein aus dem wir sie im Mai 2008 adoptiert haben.

Wir waren überglücklich dass es geklappt hat und haben uns auf unsere neue Aufgabe gefreut.
Wir wollten sie ins normale Leben führen, ihr zeigen wie schön es sein kann so ein Hundeleben.
Die körperliche Baustelle hat uns und Cher viel Kraft gekostet. Es war ja nicht so wie ich dachte denn schnell hat sich gezeigt dass hier ein normales aufpäppeln und viel Liebe und Ruhe nicht reichen. 16 Kilo hatte sie und man konnte jede Rippe und jeden Knochen sehen. Das Fell war dünn und struppig.
Sie hat gefressen aber kaum an Gewicht zugelegt, die Verdauung war nicht in Ordnung, das „Output“ oft zu dünn und übel riechend.

Angst vorm Menschen hatte sie nicht wirklich. Anfangs waren ihr Männer nicht geheuer, besonders wenn diese Mützen trugen, Bärte hatten oder aber nach Alkohol rochen.
Viel schlimmer waren Geräusche. Ein Rasensprenger z.B. der gegen die Hecke spritz hat sie in die Flucht geschlagen.
Ein Erlebnis war für uns ganz schlimm. In den ersten Tagen als sie bei uns war hat mein Mann sich in Chers Gegenwart einen Gürtel in die Hose gezogen. Als Cher das sah hat sie sich fluchtartig mit dem Gesicht zur Wand in die hinterste Ecke verkrochen. Es war klar, sie wurde früher misshandelt, mit einem Gürtel!

Ein gutes halbes Jahr hat es gedauert bis wir den Darm „saniert“ hatten. Von da an ging es körperlich bergauf.
Sie hat zugenommen (26 Kilo wiegt sie nun), das Fell hat sich verändert und aus dem hässlichen Entlein ist eine wunderhübsche Hündin geworden.

Die Seele allerdings trägt noch immer Narben, das wird sich wahrscheinlich auch nicht mehr ändern.
Cher ist sehr unsicher und nervös wenn wir unterwegs sind. Ganz schlimm ist es da, wo sie noch nie war oder wo sie nicht oft hin kommt. Sie verhält sich als wolle sie nur da weg, zieht dermaßen an der Leine dass sie selbst mit Geschirr nach Luft röchelt und eine blaue Zunge bekommt. Sie reagiert kaum auf Ansprache und zeigt Stresssignale wie z.B. starkes Schütteln, Gähnen und Zittern.
Fahrende Autos, Hektik, Enge,Krach … alles nichts für unsere Cher.
In gewohnter Umgebung jedoch hat sie es mittlerweile geschafft ein normales und glückliches Hundeleben zu führen.
Viel haben wir probiert um ihr alle Ängste zu nehmen allerdings ist und das bis heute nicht gelungen. Verschiedene homöopathische Mittel haben wir eingesetzt
aber nichts hat dauerhaft angeschlagen.
Wir haben uns dann irgendwann dazu entschlossen uns und allem voran Cher nicht weiter unter Druck zu setzen. Wir leben mit den Macken und versuchen es allen Beteiligten so angenehm wie möglich zu machen. Wir würden sie nie mehr wieder hergeben.

 

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