ADILA- Angst fressen Seele auf

November/Dezember 2007, mitten in Deutschland hausen unzählige Hunde in unerträglichen Zuständen auf einer Vermehrerfarm. Der Vermehrer ist verstorben, seine Ehefrau ist mit den Hunden überfordert, resigniert. Die Hunde ernähren sich von Abfällen, brackigem Wasser, fallen übereinander her, auf dem Gelände wimmelt es von Ratten. Nahrung für die Hunde, die wiederum selbst von den Nagern gebissen werden. Bald macht unter den Tierschützern ein Wort die Runde: Rattenhunde. Mit diesem Wort werden alle Hunde bezeichnet die von dort befreit werden.
Am 15.12.07 kommen wieder Hunde frei. Tief im Schlamm steht, verängstigt und abgemagert eine junge Labradorhündin. Eine engagierte, mutige Tierschützerin stapft durch den Dreck, nähert sich vorsichtig und fängt das verstörte Bündel ein.
An diesem Tag beginnt für Adila die Freiheit und das Leben.


Adila kurz nach ihrer Ankunft bei uns.

Nach einer kurzen Pflegezeit bei einer überforderten Pflegestelle zieht Adila am 05.01.2008 bei uns zur Pflege ein.
Sie ist scheu, ängstlich, weicht Berührungen aus und bellt. Wir lassen sie in Ruhe, unser Rudel übernimmt die Integration. Sie nähert sich unseren Labbis, kuschelt mit ihen nach kurzer Zeit. Bald lässt sie Berührungen von uns zu, allerdings nur von Frauchen und Herrchen. Bei unseren Kindern ist sie noch sehr zurückhaltend, unser Sohn wird sie erst nach fast einem Jahr berühren können. Alle anderen Menschen werden verbellt, angeknurrt und Adila hält stets einen Sicherheitsabstand, um fliehen zu können. Vor allem Männer machen ihr große Angst.
Durch die Mangelernährung hat Adila massive Magen- und Darmprobleme, wochenlange Durchfälle sind die Folge. An den Analdrüsen bildet sich ein Abszess der wochenlang tierärztlich behandelt werden muss, eine Entfernung der Analdrüsen steht im Raum. Bei den Voruntersuchungen zur Narkose stellt eine Tierärztin fest, dass Adila ein Herzgeräusch hat. Wir fahren zur Abklärung zu einer Herzspezialistin, diese stellt fest, dass Adilas eine leichte Herzinsuffizienz aufgrund der Mangelernährung hat. Sie wird medikamentös behandelt und macht ihr kaum Probleme. Dank Homöopathie haben wir auch das Analdrüsenproblem in den Griff bekommen und eine Operation samt Narkoserisiko bleibt ihr erspart.

Fünf Monate später steht fest, Adila bleibt für immer und macht unser Rudel zum Labbiquartett.

Anfang 2009 steht die Kastration an, jedoch stellt unser Tierarzt zusätzlich zum Herzproblem fest, dass Adila einen Schatten auf der Lunge, sprich eine Wassereinlagerung, hat. Damit steht für uns nach Absprache mit dem Tierarzt fest, Adila’s Kastration wird wegen dem hohen Narkoserisiko ad acta gelegt.

Die Angst vor Menschen außerhalb ihres vertrauten Umfeldes hat sie bis heute nicht verloren, sie weicht jeder Berührung von fremden Menschen aus, reagiert mit Flucht und Unsicherheit. Mit Hunden ist sie absolut verträglich, ihr Rudel gibt Adila zusätzlich Sicherheit.
Ein Jahr war es nicht vorstellbar, dass sie jemals frei ohne Leine bei den Gassirunden laufen würde. Aufgrund ihrer Ängstlichkeit und ihres Jagdtriebes scheint dies nicht angeraten. Durch das viele Arbeiten mit ihr ist sie jedoch mittlerweile gut abrufbar und läuft größtenteils frei.

Von ihrer schlimmen Vergangenheit sieht man, bis auf eine kleine Narbe im Gesicht, nichts mehr. Ihre seelischen Wunden werden wohl nie verheilen.


Alida heute

copyright © 2009 by Andrew Bird